PSA-Wert zu hoch?

Wann und wie eine Prostatabiopsie erfolgen sollte…

Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht zwangsläufig eine Krebserkrankung und ein einzelner erhöhter Wert sollte auch nie zu einer „diagnostischen Kette“ führen – außer einer Kontrolle des Laborwertes.

Es gibt Fehlmessungen – besonders, wenn zuvor die Prostata mechanisch belastet wurde (Fingeruntersuchung, Radfahren etc.). Deswegen sollte 3 Tage vor einer PSA-Entnahme jegliche Prostatabelastung (mechanisch, sexuelle Aktivität u.a.) vermieden und die Blutentnahme unbedingt VOR einer rektalen Untersuchung durchgeführt werden.

Außerdem gibt es sehr viele unterschiedliche Labortestmethoden, die sich z.T. über 20% unterscheiden. Daher PSA-Bestimmung möglichst immer im gleichen Labor.

In früheren Zeiten ging man als Urologe davon aus, dass ein Wert über 4.0 meistens eine Karzinomerkrankung bedeutete und Werte darunter eher harmlos seien. Leider entspricht diese „Schwarz-Weiß“ Betrachtung nicht der Realität und wurde schon lange verlassen.

Ist der Wert tatsächlich erhöht sollte ein Bezug zur exakten Prostatagröße hergestellt werden, denn eine doppelt so große Prostata darf auch einen entsprechend höheren PSA-Wert aufweisen. Bei großen Organen besteht außerdem oft zusätzlich eine schleichende Prostataentzündung, die zusätzlich den PSA-Wert erhöht.

Wie geht man(n) also am geschicktesten vor:

  • Bestimmung der PSA-Dichte (sollte kleiner 0.1 sein). Dazu wird der PSA-Wert durch das im TRUS (trans-rektaler-Ultra-Schall = Sonde durch den After) exakt messbare Prostatavolumen dividiert. Beim TRUS kann die Prostata mit einer Auflösung < 1 mm beurteilt und Entzündungen durch eine Mehrdurchblutung erkannt werden.
  • Bei vermuteten oder nachgewiesenen Entzündungen wird zunächst eine vierwöchige Antibiotikabehandlung durchgeführt und danach der PSA-Wert kontrolliert. Fällt das PSA, so ist eine Fortführung der Therapie bis zum Erreichen des Tiefstwertes (PSA-Nadir) empfohlen. Dann wird die Situation erneut bewertet. Fällt das PSA nicht oder nur gering besteht der Verdacht auf einen Prostatakrebs und eine Prostatabiopsie sollte erfolgen.
  • Ein positiver Tastbefund sollte – soweit im TRUS nicht als Verkalkung gesehen – abgeklärt werden unabhängig vom PSA-Wert.
  • Ein auffälliger TRUS-Befund sollte weiter abgeklärt werden.
  • Der wichtigste Parameter ist aber der PSA-Verlauf über einen längeren Zeitraum. Eine jährliche Steigerung des Wertes um 0.1 ist in der Regel altersbedingt und unbedenklich. Sprünge um mehr als 0.5 – 0.75/Jahr bedeuten nicht zwangsläufig eine Krebserkrankung, sollten aber unbedingt urologisch abgeklärt werden – und das ganz besonders bei sehr niedrigen PSA-Werten (z.B. PSA steigt von 0.3 nach 1.0). Ein Mann mit z.B. PSA 6.0 seit 5 Jahren konstant hat eher kein Karzinom und bedarf keiner weiteren Diagnostik außer einer regelmäßigen Kontrolle.

Eine Prostatabiopsie ist erforderlich:

Normaler Weise werden 10 bis 12 Stanzzylinder 0.1 mm x 18 mm aus strategisch wichtigen Positionen der Prostata entnommen. Dadurch werden über 90% aller vorhandenen Prostatakarzinome auch auf Anhieb gefunden, denn hauptsächlich entsteht dieser in der sogenannten Prostatakapsel – den Randbereichen – und in den übrigen Arealen nur zu etwa 10%. Diese übrigen Anteile werden bei der ersten Biopsie oft bewusst nicht erfasst.

Dass insgesamt „nur“ etwa 45% der Biopsierten letztlich ein Karzinom haben liegt daran, dass eben auch Männer mit anderen Ursachen für die PSA-Erhöhung dem Eingriff unterworfen werden und nicht daran, dass – wie gelegentlich von anderen Seiten suggeriert – “blind herumgestochert” wird

Um diesen Anteil, eigentlich unnötiger, Gewebeproben so niedrig wie möglich zu halten arbeitet unsere Praxis mit anderen Institutionen der Bildgebung zusammen. Damit erreichen wir eine höchstmögliche Gewissheit, OB und WO in der Prostata ein Krebs vorliegen könnte und richten unsere Gewebeentnahme daran aus.

So liefert uns eine multiparametrische 3 Tesla-MRT der Prostata (Privatpraxis für Radiologie) oder in Einzelfällen eine Ga68-PSMA-PET/CT (Nuklearmedizin am Spitalerhof) und auch die cTRUS/ANNA-Methode (Fa. Fresenius) detaillierte zusätzliche Informationen über die Lokalisation eines verdächtigen Herdes. Diese Bildinformationen werden dann von unseren Kollegen so aufgearbeitet, dass sie perfekt zur Biopsieplanung herangezogen werden können. Die Rate unnötiger Biopsien wird so auf ein absolutes Minimum reduziert und der Ort der Probenentnahmen optimiert – leider liefert aber keine medizinische Methode 100% richtige Ergebnisse.

Wie wird die eigentliche Biopsie durchgeführt?

Die Probenentnahme dauert nur 10 – 20 Minuten und wird mit dem TRUS-Gerät durch den Enddarm durchgeführt.

Daraus ergibt sich ein Risiko für Blutungen in die Blase, blutiges Ejakulat und Blut aus dem Darm. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel eher lästig als problematisch. Schwere Nachblutungen sind sehr selten – wir SEHEN bei der Biopsie größere Gefäße und können diese „elegant umschiffen“.
Sehr selten, aber für den Patienten u.U. dramatisch im Erleben, ist eine akute Infektion der Prostata, durch die Biopsie ausgelöst und begleitet durch Schüttelfrost, Fieber und allgemeine Schwäche (glücklicher Weise war der letzte solche Fall vor 3 Jahren in unserer Praxis).

Um diese Risiken zu minimieren und die Gewebeentnahme so wenig schmerzhaft wie möglich zu machen gibt es ein mehrstufiges Vorgehen.

  • prophylaktischer Antibiotikaschutz am Morgen des Eingriffes
  • Desinfektion und Betäubung des Enddarmes mit einem Spezialgleitmittel unmittelbar vor dem Eingriff
  • Einführen der TRUS-Sonde und örtliche Betäubung der Darmwand und der Prostata selbst mittels extrem dünner Nadel (wird durch die Vor-Betäubung praktisch nicht mehr gespürt)
  • Probenentnahme unter Berücksichtigung der vorherigen Untersuchungsergebnisse gezielt in Echtzeit-Ultraschallkontrolle unter Sicht mit der Hochgeschwindigkeits-Biopsienadel – die spezielle Führungsschiene der TRUS-Sonde gewährleistet eine maximale Abweichung vom geplanten Entnahmeort um höchstens 0.5 mm
  • Die durchschnittlich 10 Entnahmen werden einzeln den Orten zugeordnet, so dass der Pathologe (Referenzpathologe Prof. Bonkhoff, Berlin) eine exakte Kartierung der Herde vornehmen kann – wichtig für eine evtl. Therapieplanung
  • Der Pathologe (Prof. Bonkhoff) kann ggf. erweiterte genetische Analysen des Materiales durchführen und so eine Entscheidungshilfe für die ideale Therapiewahl geben

Ergebnis positiv – was nun?

Natürlich werden wir mit Ihnen das Ergebnis der Gewebeprobe ausführlich besprechen – dafür nehmen wir uns eine Stunde Zeit – bei Bedarf auch mehr.

Erst wenn Sie alle Aspekte der Erkrankung verstanden haben sind wir zufrieden!

Der Nachweis eines Prostatakarzinomes ist aber kein Weltuntergang. Viele Prostatakarzinompatienten brauchen nicht einmal eine Therapie sondern nur eine Überwachung.

Sollte aber eine Behandlung erforderlich sein, so arbeiten wir mit vielen renomierten Zentren zusammen, so dass Sie die bestmögliche Therapie erhalten.

Vorab werden wir Ihnen aber erklären was

  • watchfull waiting
  • active surveillance
  • Hormontherapie
  • Brachytherapie
  • IMRT
  • CyberKnife
  • radikale Prostatektomie
  • daVinci OP
  • Peptid-Radioliganden-Therapie (Theranostic)

u.a. ist und welche Verfahren für Sie optimal sind.

Danach entscheiden wir GEMEINSAM über das weitere Vorgehen.